
Praxis-Wiki » Drehplan-Vorlage
Drehplan. Der Drehtag, bevor er passiert.
Acht Spalten, vier Schritte, eine Sortierlogik. Wie ein Drehplan aufgebaut ist, wie er aus Skript und Shotlist entsteht und woran er am Drehtag scheitert. Die Vorlage zum Abschreiben inklusive.
Kern in einem Satz
Der Drehplan sortiert Szenen nicht nach Story, sondern nach Drehlogik. Wer in Drehbuchreihenfolge dreht, bezahlt jeden Motivwechsel doppelt.
Worum es geht
Ein Plan, der der Realität standhält.
Ein Drehtag kostet Geld in dem Moment, in dem er beginnt. Crew, Technik, Location und Cast laufen ab der ersten Minute mit, unabhängig davon, ob gerade gedreht oder umgebaut wird. Der Drehplan ist das Dokument, das entscheidet, wie viel von dieser Zeit tatsächlich im Bild landet.
Kurzantwort
Der Drehplan ist die zeitliche Auflösung des Skripts: was wann wo mit wem. Er entsteht nach Skript und Shotlist, sortiert die Szenen nach Drehlogik statt nach Drehbuchreihenfolge, bündelt sie zu Drehblöcken pro Motiv, kalkuliert jede Position aus Rüstzeit, Probe, Takes und Abbau, lässt Puffer für Wetter und Verzögerung und wird pro Drehtag zum Callsheet ausgespielt.
Abgrenzung
Drehplan, Shotlist, Callsheet.
Die drei Dokumente werden ständig verwechselt und lösen doch drei verschiedene Probleme. Wer sie sauber trennt, muss keines von ihnen aufblähen.
| Dokument | Beantwortet | Reichweite | Geht an |
|---|---|---|---|
| Drehplan | Wann wird was wo gedreht? | Alle Drehtage der Produktion | Produktion, Regie, Department-Leitungen |
| Shotlist | Wie sieht die einzelne Einstellung aus? | Pro Szene, Einstellung für Einstellung | Regie, Kamera, Schnitt |
| Callsheet | Wer ist wann wo, und wie komme ich hin? | Genau ein Drehtag | Alle Beteiligten des Tages |
Die Reihenfolge in der Vorbereitung ist immer dieselbe: Skript, dann Shotlist, dann Drehplan, dann Callsheet. Wer den Drehplan vor der Shotlist schreibt, schätzt Zeiten für Einstellungen, die es noch nicht gibt.
Die Vorlage
Acht Spalten. Mehr braucht es nicht.
Ein Drehplan, den am Set niemand liest, hat sein Ziel verfehlt. Diese acht Spalten decken alles ab, was am Drehtag eine Entscheidung auslöst. Alles Weitere gehört ins Callsheet oder in die Shotlist.
| # | Spalte | Was hineingehört |
|---|---|---|
| 01 | Block | Fortlaufende Nummer des Drehblocks, plus Drehtag. Macht jede Position im Gespräch eindeutig ansprechbar. |
| 02 | Zeit | Von–bis in Uhrzeiten, nicht in Dauern. Uhrzeiten decken Rechenfehler sofort auf, Dauern verstecken sie. |
| 03 | Motiv | Location mit Raum oder Perspektive, innen oder außen, Tag oder Nacht. Das Motiv ist die wichtigste Sortiergröße des ganzen Plans. |
| 04 | Szene / Inhalt | Szenennummer aus dem Skript und ein Halbsatz, worum es geht. Der Halbsatz ist für alle, die das Skript nicht gelesen haben. |
| 05 | Einstellungen | Verweis auf die Shotnummern der Shotlist, nicht deren Inhalt. Doppelte Pflege ist die häufigste Fehlerquelle. |
| 06 | Cast / Beteiligte | Wer vor der Kamera steht und wer zwingend anwesend sein muss. Grundlage für die Zeiten im Callsheet. |
| 07 | Licht & Technik | Setup-Kurzform und alles, was einen Umbau auslöst: Kran, Slider, Drohne, zweite Kamera, Ton-Sonderfall. |
| 08 | Hinweise | Requisite, Kostüm, Genehmigungsfenster, Ansprechpartner vor Ort, Wetterabhängigkeit, Ausweichmotiv. |
Wenn Ihre Vorlage mehr als diese acht Spalten hat, prüfen Sie jede zusätzliche gegen eine Frage: Löst dieser Wert am Drehtag eine Entscheidung aus? Falls nein, gehört er in ein anderes Dokument.
Schritt für Schritt
In vier Schritten zum Drehplan.
- Szenen auflösen. Jede Szene aus dem Skript als eigene Zeile anlegen und daneben notieren, was sie verlangt: Motiv, Innen oder Außen, Tageszeit, Cast, Sondertechnik, Genehmigung. In diesem Schritt wird noch nichts sortiert und nichts geschätzt, es wird nur vollständig erfasst.
- Nach Drehlogik sortieren. Jetzt die Drehbuchreihenfolge verlassen. Alle Szenen an einem Motiv wandern in einen Block, unabhängig davon, wo sie im fertigen Film stehen. Innerhalb des Blocks entscheiden Lichtrichtung, Tageszeit und Umbauaufwand die Reihenfolge.
- Zeiten kalkulieren. Jede Position aus vier Teilen rechnen: Rüstzeit für Licht und Kamera, Probe mit Cast, die Takes selbst, Abbau beziehungsweise Umbau auf die nächste Position. Der größte Posten ist fast nie das Drehen.
- Puffer setzen und gegenprüfen. Pro Drehtag mindestens einen benannten Pufferblock einplanen, nicht nur stillschweigend großzügig schätzen. Danach den Tag gegen Arbeitszeit, Pausen und Ruhezeit prüfen und gegen die Zeitfenster von Genehmigungen und Locations.
Zeitkalkulation
Die Zeit vergeht beim Umbauen.
Der häufigste Kalkulationsfehler im Drehplan ist, die Drehzeit zu schätzen statt der Gesamtzeit. Eine Einstellung, die im Schnitt acht Sekunden lang ist, blockiert am Set eine Position mit Aufbau, Ausleuchtung, Probe, mehreren Takes und Abbau. Wer nur die Takes rechnet, plant systematisch zu knapp und schiebt die Differenz vor sich her, bis sie am Nachmittag als Streichliste zurückkommt.
- Rüstzeit ist die teuerste und am häufigsten unterschätzte Position. Sie hängt nicht an der Szene, sondern am Setup: ein Interview mit Dreipunktlicht braucht anderen Vorlauf als eine Handkamera-Sequenz im Tageslicht.
- Umbauzeit zählt zum nächsten Block, nicht zum vorherigen. Sonst sieht der Plan sauber aus und beginnt trotzdem jeden Block zu spät.
- Wege sind Drehzeit. Fahrt zwischen zwei Motiven, Parken, Equipment tragen, Aufzug, Schlüssel holen: das gehört als eigene Zeile in den Plan, nicht in eine Fußnote.
- Pausen gehören in den Plan, mit Uhrzeit. Eine Pause, die nicht im Drehplan steht, wird am Drehtag zur Verhandlung.
- Die letzte Position des Tages ist die unsicherste. Legen Sie dorthin nichts, was zwingend im Kasten sein muss.
Sortierlogik
Wonach Drehblöcke gebildet werden.
Antwort
Ein Drehblock bündelt alles, was ohne großen Umbau am Stück gedreht werden kann. Die Sortierkriterien greifen in dieser Reihenfolge ineinander: erst das Motiv, dann Licht und Tageszeit, dann Cast, dann Technik. Je höher ein Kriterium in dieser Kette steht, desto teurer ist es, dagegen zu planen.
- Motiv zuerst. Jeder Ortswechsel kostet Auf- und Abbau, Wege und Konzentration. Alle Szenen an einem Motiv gehören zusammen, auch wenn sie im Film eine Stunde auseinanderliegen.
- Licht und Tageszeit. Innerhalb eines Motivs bestimmt die Sonne die Reihenfolge: Gegenlichtsituationen, blaue Stunde und Nachtaufnahmen haben feste Fenster, alles andere ist verschiebbar. Bei Innenaufnahmen übernimmt das Lichtsetup dieselbe Rolle.
- Cast-Verfügbarkeit. Wer nur an einem Tag oder nur zu bestimmten Stunden kann, wird zum Fixpunkt, um den herum geplant wird. Das gilt in Unternehmensproduktionen besonders für Geschäftsführung und Fachkräfte, die neben dem Dreh weiterarbeiten.
- Technik-Umbauten bündeln. Kran, Slider, Drohne oder zweite Kamera einmal aufbauen und alles dafür Vorgesehene am Stück abdrehen, statt zweimal am Tag umzurüsten.
- Genehmigungsfenster sind hart. Wo eine Drehgenehmigung, eine Halteverbotszone oder ein Hausrecht ein Zeitfenster vorgibt, richtet sich der Plan danach und nicht umgekehrt.
- Kinder, Tiere und Wetter gehören nach vorn im Tag, solange die Bedingungen und die Aufmerksamkeit am besten sind.
Puffer
Was passiert, wenn es anders kommt.
Ein Drehplan ohne Ausweichoption ist eine Wette auf gutes Wetter und pünktliche Menschen. Beides hält selten einen ganzen Tag. Robuste Pläne enthalten deshalb nicht nur Puffer, sondern eine benannte Alternative für jeden Block, der von etwas abhängt, das Sie nicht kontrollieren.
- Cover-Set benennen. Zu jedem Außenmotiv gehört ein Innenmotiv, das bei Regen sofort bespielt werden kann, mit eigener Zeile im Plan und eigener Zeitschätzung.
- Prioritäten markieren. Kennzeichnen Sie pro Drehtag, welche Einstellungen zwingend sind und welche entfallen dürfen. Diese Entscheidung fällt in der Vorbereitung besser als um 17 Uhr unter Druck.
- Puffer als eigene Zeile. Ein benannter Pufferblock wird respektiert, ein still eingerechneter Aufschlag wird beim ersten Verzug aufgebraucht, ohne dass es jemand merkt.
- Nachdrehtag prüfen. Bei mehrtägigen Produktionen ist ein halber Reservetag häufig günstiger als ein Drehtag, der bis in die Nacht läuft.
- Wetterabfrage terminieren. Legen Sie fest, wann und von wem entschieden wird, ob der Außendreh stattfindet, und wie diese Entscheidung an die Crew geht.
Arbeitszeit
Was das Gesetz vorgibt.
Antwort
Der Drehplan ist auch ein Arbeitszeitdokument. Nach § 3 ArbZG darf die werktägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht überschreiten; eine Verlängerung auf 10 Stunden ist zulässig, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden werktäglich nicht überschritten werden. § 4 ArbZG verlangt bei mehr als 6 bis zu 9 Stunden mindestens 30 Minuten Pause, bei mehr als 9 Stunden mindestens 45 Minuten. § 5 ArbZG schreibt zwischen zwei Arbeitstagen mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit vor.
Für den Plan heißt das vor allem eines: Die Ruhezeit nach § 5 ArbZG entscheidet darüber, wann der nächste Drehtag frühestens beginnen darf. Wer heute um 22 Uhr abbaut, kann morgen nicht um 7 Uhr Crew-Call ansetzen. Diese Kette wird in Zwei- und Dreitagesdrehs regelmäßig übersehen, weil jeder Tag für sich betrachtet plausibel aussieht.
§ 7 ArbZG lässt abweichende Regelungen durch Tarifvertrag zu, teils auch aufgrund eines Tarifvertrags in einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung, jedoch nur in den dort ausdrücklich genannten Fällen und Grenzen. Ob und welcher Tarifvertrag für Ihre Produktion gilt und welche Zuschläge oder Ruhezeitregelungen daraus folgen, ist im Einzelfall zu prüfen. Bei Mitwirkenden unter 18 Jahren gelten zusätzlich die strengeren Vorgaben des Jugendarbeitsschutzgesetzes.
Fehlerbild
Sechs Fehler, die jeden Plan kippen.
- In Drehbuchreihenfolge geplant. Der teuerste und häufigste Fehler. Er fühlt sich richtig an, weil er der Geschichte folgt, und bezahlt jeden Motivwechsel mehrfach.
- Nur Drehzeit gerechnet. Rüstzeit, Umbau und Wege fehlen im Plan und tauchen am Drehtag als Verzug wieder auf.
- Kein benannter Puffer. Großzügig geschätzt ist kein Puffer, sondern eine Unschärfe, die niemand verteidigt.
- Shotlist-Inhalte im Drehplan dupliziert. Zwei Dokumente mit denselben Informationen laufen auseinander, sobald sich etwas ändert. Der Drehplan verweist auf Shotnummern, er wiederholt sie nicht.
- Genehmigungs- und Locationfenster ignoriert. Der Plan steht, die Erlaubnis gilt aber nur bis 16 Uhr. Solche Fenster gehören in die Hinweisspalte, bevor die Zeiten gesetzt werden.
- Nur eine Fassung im Umlauf gedacht. Ohne Versionsnummer und Datum in Kopf- und Fußzeile arbeiten am Drehtag zwei Departments nach zwei verschiedenen Ständen.
Zum Abschreiben
Die Vorlage als Tabellenkopf.
Übernehmen Sie diese Kopfzeile in Excel, Google Sheets oder Ihr Produktionstool und füllen Sie sie von oben nach unten. Kopf- und Fußzeile tragen Projektname, Drehtag, Versionsnummer und Datum, damit am Set erkennbar ist, welcher Stand gilt.
| Block | Zeit | Motiv | Szene / Inhalt | Einstell. | Cast | Licht & Technik | Hinweise |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| T1 / 01 | 08:00–08:45 | Werkhalle, Tor Nord, INT/Tag | Crew-Call, Aufbau | – | Crew | Grundlicht stellen, Kamera 1 | Schlüssel bei Herrn [Name], Hallentor bleibt offen |
| T1 / 02 | 08:45–10:30 | Werkhalle, Montageplatz, INT/Tag | Sz. 3, Produktion im Betrieb | S03–S08 | 2 Mitarbeitende | Grundlicht, Slider | Gehörschutz, Maschine läuft nur bis 10:45 |
| T1 / 03 | 10:30–11:00 | Umbau auf Büro 1. OG | Wege und Umbau | – | Crew | Abbau Slider, Interview-Setup | Aufzug nur bis 300 kg |
| T1 / 04 | 11:00–12:15 | Büro 1. OG, Fensterfront, INT/Tag | Sz. 1, Statement Geschäftsführung | S01–S02 | Geschäftsführung | Dreipunktlicht, Funkstrecke | Fixpunkt: nur bis 12:30 verfügbar |
| T1 / 05 | 12:15–13:00 | – | Pause (§ 4 ArbZG) | – | alle | – | Verpflegung siehe Callsheet |
| T1 / 06 | 13:00–15:00 | Außengelände, Hofeinfahrt, EXT/Tag | Sz. 5, Anlieferung | S12–S16 | 1 Fahrer | Handkamera, Reflektor | Wetterabhängig — Cover-Set: Werkhalle, Sz. 4 |
| T1 / 07 | 15:00–16:00 | flexibel | Puffer | – | Crew | – | Nachholblock oder vorgezogener Abbau |
| T1 / 08 | 16:00–17:00 | Werkhalle | Abbau | – | Crew | – | Ruhezeit § 5 ArbZG beachten: Call Tag 2 frühestens 04:00 des Folgetags |
Die Beispielzeilen zeigen ein fiktives Muster für einen eintägigen Unternehmensdreh. Namen, Zeiten und Orte sind Platzhalter und ersetzen keine Kalkulation für Ihr Projekt.
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Antworten
Häufige Fragen.
Was ist ein Drehplan? +
Was ist der Unterschied zwischen Drehplan und Callsheet? +
In welcher Reihenfolge wird gedreht? +
Wie viele Szenen schafft man an einem Drehtag? +
Welche Software eignet sich für einen Drehplan? +
Wie lange darf ein Drehtag sein? +
Belege
Quellen.
- § 3 ArbZG (Arbeitszeit der Arbeitnehmer)
- § 4 ArbZG (Ruhepausen)
- § 5 ArbZG (Ruhezeit)
- § 7 ArbZG (Abweichende Regelungen durch Tarifvertrag)
- Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)
- Alles Weitere in diesem Guide beruht auf der Produktionspraxis von film-produktion.tv und ist als Handwerkswissen gekennzeichnet, nicht als Norm.
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Der Plan steht, bevor die Kamera kommt.
800+ Projekte Erfahrung. Drehplan, Callsheet und Disposition sind bei uns Teil der Produktion, nicht Ihre Hausaufgabe.
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