Ausgangslage & Aufgabe
Der Energieversorger Goldgas beauftragte einen TV-Werbespot, der sich bewusst vom generischen Kommunikationston der Energiebranche abheben sollte. Statt auf Preisaggression zu setzen, wollte der Kunde Vertrauen, Naehe und Verbraucherfreundlichkeit in den Vordergrund ruecken. Die Kommunikationsstrategie folgte dem Gedanken, dass Gas als Alltagsprodukt eine alltagsnahe Bildsprache verdient.
Im Briefing wurde ein humorvoll-menschlicher Ansatz favorisiert, der eine fiktive Alltagssituation in der Kueche zeigt. Die Hauptfigur sollte eine Identifikationsflaeche bieten, waehrend die Produktbotschaft subtil eingebettet wird. Ziel war ein 20-Sekunden-Spot mit klarer Call-to-Action am Ende, der in klassischen TV-Werbebloecken Aufmerksamkeit bindet.
Zusaetzlich sollten zwei alternative Enden produziert werden, um im Media-Rotationsplan flexibel testen zu koennen. Diese A-B-Varianten waren fuer die Werbepartner entscheidend, um im Rahmen eines datenbasierten Testings verschiedene Performance-Indikatoren im Auge zu behalten.
Deliverables & Umsetzung
Der Dreh fand an einem Tag in einem angemieteten Loftstudio im Mainzer Zollhafen statt, das als Privatkueche umdekoriert wurde. Szenenbild und Requisite bereiteten die Location zwei Tage vor Drehbeginn vor. Die Crew umfasste elf Personen inklusive Regie, DoP, 1st AC, Gaffer, Best Boy, Setdesign, Maske, Tonmeister, Casting, Produktionsleitung und Regieassistenz.
Kameratechnisch kam die ARRI Alexa Mini mit Cooke S4/i Objektiven zum Einsatz. Fuer die Kamerabewegung nutzten wir einen Dolly mit Jib-Arm, der die sanfte Bewegung vom Esstisch in die Kueche moeglich machte. Zusaetzlich drehten wir mit einer Probe-Macro-Optik Insert-Shots vom Teekessel und der Gasflamme, um die produktrelevanten Detailebenen filmisch anzureichern.
Die Postproduktion dauerte drei Wochen. Grading in DaVinci Resolve, VFX-Cleanup in After Effects, Sound in Pro Tools mit Foley-Aufnahmen eines externen Studios. Deliverables waren die 20-Sekunden-Hauptfassung, zwei alternative Enden und ein 10-Sekunden-Reminder-Spot. Zusaetzlich wurde eine Ultra-Kurzversion von 6 Sekunden fuer Online-Bumper erstellt, die gezielt bei Youtube-Pre-Rolls zum Einsatz kam.
Produktionskontext
Die kreative Entwicklung erfolgte in enger Abstimmung mit der betreuenden Werbeagentur. Drei Drehbuchvarianten wurden vorproduziert und im finalen Testing-Prozess zur Auswahl gestellt. Die gewaehlte Variante ueberzeugte durch ihre Mischung aus Alltagsnaehe und pointiertem Humor, der in den Vortests positiv aufgenommen wurde.
Besondere Aufmerksamkeit lag auf der Besetzung. Ein Casting mit rund 30 Teilnehmenden wurde in Frankfurt durchgefuehrt. Die finale Hauptrolle besetzte eine Schauspielerin mit Theaterhintergrund, deren Timing den Spot entscheidend praegte. Ihre Faehigkeit, innerhalb weniger Sekunden eine glaubwuerdige Alltagssituation aufzubauen, machte den Unterschied im finalen Schnitt.
Die Ausstrahlung erfolgte auf privaten TV-Sendern sowie ergaenzend auf YouTube-Pre-Rolls. Die datenbasierte Auswertung bestaetigte nach zwei Kampagnenwellen deutlich bessere Recall-Werte als der Branchendurchschnitt. Das Projekt zeigt, wie auch Energieversorger mit filmischem Erzaehlen aus der Preiskommunikationsspirale ausbrechen und Markenwert aufbauen koennen, wenn Konzept, Casting und Produktion konsequent zusammengreifen.
Markenpositionierung im Energiemarkt
Goldgas bewegte sich zum Produktionszeitpunkt in einem hart umkämpften Energiemarkt, in dem sich Anbieter vor allem über Preis und Vertragslaufzeit unterschieden. Der Werbespot setzte bewusst einen anderen Akzent: Verlässlichkeit, Transparenz und menschliche Ansprechbarkeit wurden visuell in den Vordergrund gerückt. Die Bildsprache zeigte Haushalts- und Alltagssituationen, in denen Energie selbstverständlich funktioniert, statt technische Infrastruktur zu betonen.
Für die Markenpositionierung entstand so ein emotional aufgeladenes Gegengewicht zu rein tariflastiger Konkurrenzkommunikation. Der Spot wurde im Umfeld von Nachrichtensendungen und Verbrauchermagazinen platziert, wo preisbewusste Zielgruppen erreichbar waren. Zusätzlich flankierten gekürzte Social-Cuts die Kampagne, um auch jüngere Wechselwillige anzusprechen. Goldgas nutzte das Material über die klassische Ausstrahlung hinaus in Vertriebspräsentationen und im Call-Center-Onboarding als visuelle Referenz.
Nach Abschluss der Hauptkampagne lief der Goldgas-Spot in zeitversetzten Wellen weiter, jeweils angepasst an typische Wechselzeitpunkte im Energiemarkt wie Jahresabrechnung und Preisankündigungen der Grundversorger. Die langfristige Verfügbarkeit eines gut produzierten Spots erwies sich damit als strategisches Asset: Neukundenakquise konnte ohne sofortige Neuproduktion reaktiviert werden, was Budgetspielräume eröffnete und die Marke über mehrere Quartale mit konsistentem, vertrauensbildendem Bildmaterial am Markt präsent hielt.
Für die Markenführung erwies sich der Spot als Referenzpunkt späterer Kommunikationsbausteine. Neue Formate, Händleransprachen und Servicekampagnen konnten visuell auf den bereits etablierten Bildcode der TV-Produktion aufbauen, was die Wiedererkennung stärkte und Goldgas in einem volatilen Marktsegment ein visuell stabiles Markenbild gab.




