Ausgangslage und Aufgabe
RYM ist eine aufstrebende Indie-Band aus dem Frankfurter Ostend mit einem Sound zwischen Dream-Pop und post-punkiger Kante. Fuer ihre aktuelle Single suchten die Musiker ein Musikvideo, das die Grossstadt-Einsamkeit des Songs in Bilder ueberfuehrt, gleichzeitig aber keine klischeehafte Melancholie ausbreitet.
Im Konzept-Workshop landeten wir bei einer naechtlichen Bewegungsstudie: eine junge Frau, die durch menschenleere Ecken Frankfurts streift, waehrend die Bandmitglieder an gespenstisch beleuchteten Non-Orten auftauchen. Kein durchgaengiger Plot, sondern ein rhythmisches Collage-Prinzip, das sich der Struktur des Songs unterordnet.
Die Bildsprache sollte analog, koernig und warm wirken, mit starken Neon- und Strassenlampen-Akzenten. Als Referenzen dienten Werke aus dem nordischen Musikvideo-Umfeld sowie analoge Fotoserien aus dem Ruhrgebiet der achtziger Jahre und europaeischer Autorenfilm der jungen Neunziger.
Deliverables und Umsetzung
Gedreht wurde an zwei Nachtdrehs sowie einem zusaetzlichen Performance-Tag in einer Lagerhalle in Offenbach. Crew: sechs Personen inklusive eines spezialisierten Gaffer fuer Streetlight-Augmentierung. Kamera war eine Sony FX3 mit Sigma-Art-Primes fuer hohe Lichtstaerke, ergaenzt durch eine Blackmagic Pocket 6K fuer Detail-Einsprengsel. So konnten wir pro Set zwei unterschiedliche Looks in einem Take einfangen.
Besonders spannend waren die Einstellungen auf der Friedensbruecke und im Frankfurter Gallus-Viertel, wo wir mit praktischen Lampen, Nebelmaschinen und dezenter LED-Verstaerkung gearbeitet haben. Der Performance-Teil nutzte eine einzige harte Lichtquelle plus Reflektorwaende, um klare Silhouetten zu erzeugen und die Band aus der Alltagsszene bildhaft herauszuheben.
Deliverables: fertiges Musikvideo, Vertikal-Cut fuer Reels, Spotify-Canvas-Loop, Performance-Teaser von 20 Sekunden. Schnitt in Premiere, Grading in DaVinci Resolve mit einem filmisch koernigen, leicht entsaettigten Look; Sounddesign unterstuetzt bestimmte Uebergaenge in Pro Tools. Zusaetzlich entstanden Pressefotos direkt am Set.
Produktionskontext
Eine der groessten Herausforderungen war der oeffentliche Raum: wir drehten teilweise auf belebten Nachtstrassen, wo spontane Passantenbewegungen oder Polizeikontrollen jederzeit moeglich waren. Drehgenehmigungen beantragten wir rechtzeitig bei der Stadt Frankfurt und arbeiteten mit einer kompakten Crew, die flexibel reagieren konnte. In unmittelbarer Naehe fuehrender Verkehrswege setzten wir zusaetzliche Warnposten ein.
Die Darstellerin wurde mit einer klaren Bewegungs-Choreografie gebrieft, damit die Szenen trotz improvisierter Settings einen erzaehlerischen Rhythmus erhielten. Die Band selbst spielte im Performance-Teil mit reduzierter Gestik, was dem Gesamtbild Tiefe gab. Mehrere Takes wurden bewusst improvisiert gedreht, um spontane Momente einzufangen.
Nach dem Release lief das Video auf YouTube, Bandcamp und in einer lokalen Kino-Kurzfilmrolle. Fuer die Band oeffnete es die Tuer zu mehreren Booking-Gespraechen, fuer uns war es ein Projekt, das zeigt, wie filmisch Musikvideo-Produktion auch mit ueberschaubarem Budget sein kann. Aus diesem Dreh entstand zudem ein langfristiger Content-Rahmen fuer die Band, der EP-Rollout-Material liefert.
Frankfurter Subkultur und DIY-Geist
Das Musikvideo für RYM war nie als glattes Label-Produkt gedacht, sondern als ehrliche Liebeserklärung an die Frankfurter Indie-Szene. Wir haben bewusst an real existierenden Orten gedreht: in kleinen Clubs, in Bahnhofsvierteln bei Nacht, auf Hinterhöfen rund um den Ostend. Die Menschen im Bild sind keine Komparsen, sondern Musikerinnen, Betreiber und Gäste der Szene selbst.
Die Kameraführung ist bewusst körperlich und unruhig, handgehalten und oft aus Augenhöhe, um die Nähe zur Band und ihrem Umfeld zu betonen. In der Farbkorrektur haben wir Neonreflexe leicht verstärkt und Schatten offen gehalten, sodass das Frankfurter Nachtlicht als eigenständiger Charakter funktioniert. Das fertige Video wurde über die Kanäle der Band und lokaler Musikmedien ausgespielt und hat messbar dazu beigetragen, die regionale Fanbase in die Clubs und auf die Streaming-Plattformen zu bringen.
Abseits des eigentlichen Videos entstand ein kleines Fotobook, das wir der Band als limitierte Auflage für Merchandise-Tische auf Konzerten übergeben haben. Solche handwerklichen Nebenprodukte stärken die Verbindung zur Community im physischen Raum und ergänzen die digitale Veröffentlichung auf eine Weise, die rein algorithmische Reichweite nicht leisten kann.
Parallel haben wir Band und Management eine kuratierte Auswahl an Standbildern übergeben, die sie ohne weitere Bearbeitung für Presseanfragen, Booking-Unterlagen und Plattform-Header direkt weiterverwenden konnten.





