Ausgangslage und Aufgabe
Das Duo Hennes und Cold bat uns um ein Musikvideo zum Track The Second Trip, das die leicht psychedelische, aber nie kitschige Stimmung des Songs in bewegte Bilder ueberfuehrt. Zentrale Idee: eine naechtliche Fahrt durch das Rhein-Main-Gebiet als Metapher fuer einen inneren Zustand zwischen Klarheit und Rausch. Die musikalische Struktur des Tracks gibt mehrere Stimmungswechsel vor, die wir im Bild aufgriffen.
Zusaetzlich sollten Performance-Parts der Band so inszeniert werden, dass sie sich gut in spaetere Promo-Clips und Streaming-Visualizer herausschneiden lassen. Der Look sollte filmisch, aber nicht musicvideo-glatt sein – mit leichtem Korn, warmen Schatten und kontrollierten Lichtreflexen. Die Referenz-Palette reichte von europaeischen Autorenfilmen der siebziger Jahre bis zu zeitgenoessischen Synthwave-Videos.
Wir entwickelten dazu ein Drehbuch, in dem eine weibliche Hauptfigur durch die Nacht reist und immer wieder in fragmentarische Performance-Raeume geraet. Der Wechsel zwischen realer Strassenwelt und abstrahierten Innenraum-Settings erzeugt die Ambivalenz, die der Song textlich transportiert.
Deliverables und Umsetzung
Gedreht wurde an zwei Drehtagen mit einer Crew von sieben Personen. Hauptlocations waren eine leerstehende Lagerhalle in Frankfurt-Fechenheim, ein naechtlicher Autobahnabschnitt Richtung Mainz sowie ein Interieur-Set, das wir in einem Privat-Loft umgebaut haben. Kamera war eine Sony FX6 mit Sigma-Cine-Primes, fuer die Fahrtaufnahmen kombinierten wir einen Car-Mount mit einem DJI Ronin 4D. Die Integration moderner Gimbal-Technik erlaubte uns sehr praezise Kamerafahrten trotz kompakter Crew.
Die Performance-Parts entstanden mit praktischen Lichtquellen – Neon, LED-Stripes, handgefuehrte Taschenlampen – und wurden von Hand-Haze ergaenzt. Wir drehten in 4K 50p, um in Zeitlupenpassagen Spielraum im Schnitt zu haben. So konnten wir im Edit einzelne Passagen stretchen, ohne an Bildqualitaet zu verlieren.
In der Post arbeiteten wir mit Premiere Pro und Resolve, das Sounddesign lief parallel in Pro Tools. Zusaetzlich zum Haupt-Video lieferten wir einen vertikalen Clip fuer Reels sowie einen geloopten Visualizer fuer Spotify-Canvas und einen reinen Performance-Cut, der sich als Live-Projektion bei Konzerten einsetzen laesst.
Produktionskontext
Eine besondere Herausforderung lag darin, die Fahrt-Szenen rechtlich sauber zu organisieren. Wir arbeiteten mit einem Picture-Car-Setup, bei dem das Fahrzeug auf einem gesicherten Industrieparkplatz von einem Stuntfahrer manoevriert wurde, waehrend LED-Panels im Innenraum wechselnde Stadtlichter simulierten. Das vermied Drehgenehmigungen im laufenden Verkehr und erhoehte zugleich die Kontrolle ueber das Licht. In kurzen Aufnahmesequenzen im echten Strassenraum waren zusaetzlich ein Sicherheitsfahrer und ein Begleitfahrzeug vorgesehen.
Regieseitig achteten wir darauf, die Band nicht zu ueberexponieren: nur zwei Performance-Sequenzen, dafuer mit intensiver Praesenz. Dadurch bleibt das Video erzaehlerisch leicht und die Figur der Reisenden behaelt ihren Raum. Die Band war mit diesem zurueckgenommenen Inszenierungsansatz ausdruecklich einverstanden.
The Second Trip wurde auf YouTube und ueber die Streaming-Visualizer veroeffentlicht und sorgte in der lokalen Indie-Electro-Szene fuer sichtbare Reichweite. Die Band setzt das Video bis heute als zentralen Teil ihrer Label-Pitches ein und verwendet einzelne Bildmotive fuer Tour-Plakate und Cover-Artworks.
Tournee-Logistik und Multi-City-Dreh
Hennes und Cold, The Second Trip dokumentiert eine mehrstufige Clubtour quer durch Deutschland. Unser Team reiste mit einem kompakten Setup aus drei Kameras, mobiler Tonangel und einer Drohne, um in jeder Location sowohl Performance als auch Backstage-Momente festzuhalten. Die Herausforderung bestand darin, an jedem Abend nach wenigen Stunden Aufbauzeit ein belastbares, kinematografisches Bild zu erzeugen.
In der Postproduktion haben wir bewusst keine gleichförmige Farbwelt erzwungen, sondern die Identität jeder Stadt im Look erhalten: rauer in Berlin, wärmer im Rheinland, kühler im Norden. Diese tonale Vielfalt erzählt die Reise überzeugender, als es ein uniformer Grade getan hätte. Das Endprodukt funktioniert als zusammenhängender Tour-Film, lässt sich aber auch in Einzelepisoden pro Stadt aufteilen und wurde so für die Social-Ausspielung des Künstlerduos zweifach verwertet.
Zusätzlich produzierten wir pro Stadt ein kurzes Behind-the-Scenes, das die lokalen Veranstalter und Crews sichtbar machte und auf den Social-Kanälen der Clubs geteilt werden konnte. Diese Geste hat die Beziehung zwischen Künstlern und Locations sichtbar gestärkt und der Tour im Nachgang zusätzliche organische Reichweite beschert, ohne dass weitere Werbebudgets aufgewendet werden mussten.




